Spengler auf Deutsch 81: Das ist nicht das Ende der Welt, das ist nur das Ende von Matteo Renzi

Das Original erschien am 5. Dezember 2016 unter dem Titel “It’s not the end of the world, just the end of Matteo Renzi” in Asia Times.

Kurz vor Mitternacht projizierte Italiens Kanal 5 ein sechzigprozentiges “Nein”-Votum in dem Verfassungsreferendum des Landes, eine vernichtende Niederlage für den sozialistischen Premierminister Matteo Renzi. Der Euro fiel um 1,5 % auf diese Nachricht hin, hat sich aber etwas erholt; der Yen gewann anfangs, aber ist schnell auf den Freitagsstand und noch darunter zurückgefallen. Die asiatischen Börsenwerte notierten Montagmorgen niedriger, aber es gab keine katastrophale Reaktion auf Italien, tatsächlich nicht einmal Anzeichen, dass die Indexrückgänge etwas mit Italien zu tun haben.

Renzi hatte versprochen zurückzutreten, wenn er besiegt werden würde, und das überwältigende Votum gegen ihn lässt ihm kaum eine Wahl. Eine Stunde nachdem das Ausmaß der Niederlage bekannt wurde, verkündigte Renzi, er werde am Montagmorgen zurücktreten. Es hat einige Spekulationen gegeben, dass Renzi als verwaltender Premierminister bleiben werde, aber es scheint jetzt klar, dass entweder eine „technokratische“ Regierung installiert werden wird; oder eine Mitte-Rechts-Koalition der Parteien wird eine Übergangsregierung mit bevorstehenden Neuwahlen bilden.

Das Referendum trifft zusammen mit den Anstrengungen der italienischen Regierung, eine Bankenkrise in Italien zu vermeiden, wo rund ein Fünftel aller Kredite mehr oder weniger faul sind. Italienische Bankaktien haben in diesem Jahr fast zwei Drittel ihres Wertes verloren. Das ist besorgniserregend, da die italienischen Banken mehr als ein Fünftel der italienischen Staatsschulden von mehr als (umgerechnet) 2 Billionen Dollar besitzen. Die Banken haben die Regierung gerettet, während die Regierung nun die Banken retten soll.

Das hat einige Beobachter veranlasst, vor einer Finanzkrise zu warnen, falls Renzis Reformen abgelehnt würden. Es gibt zwei potentielle Auslöser für eine Krise. Erstens könnte der Markt es ablehnen, die italienischen Banken weiter zu finanzieren und so die Europäische Zentralbank zwingen, sie mit Interimskrediten zu unterstützen, ohne das Vertrauen in sie wiederherzustellen. Zweitens könnten die Zinsen für italienische Staatsschulden stark ansteigen und so das italienische Defizit aufblähen. Das italienische Defizit beträgt derzeit -2,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Mit Staatsschulden in Höhe von 130 % des Bruttoinlandsprodukts würde ein zweiprozentiger Anstieg der Zinsen italienischer Staatspapiere das Defizit verdoppeln und in einem Teufelskreis Druck für noch höhere Zinsen ausüben.

Wahrscheinlich wird keines dieser Szenarien eintreffen – zumindest nicht kurzfristig – eben weil der Markt und die europäischen Institutionen Monate hatten, sie zu antizipieren. Das Resultat des Referendums stimmt mit den Meinungsumfragen überein und war weitgehend erwartet worden. Die Zinsdifferenz zwischen den ultrasicheren deutschen Zehnjahresanleihen und italienischen Schuldenpapieren mit gleicher Laufzeit hat sich in der Woche vor dem Referendum um 1,8 % vergrößert, sich in den Tagen vor dem Votum aber wieder etwas verringert.

Die europäischen Regeln verbieten es Regierungen, ihre Banken zu retten, solange nicht auch die Aktieninhaber Geld verlieren, sich also an der Rettung beteiligen. Die italienischen Banken halten rund 40 Milliarden Euros an nachrangigen Schulden und mehr als die Hälfte davon gehört kleinen Investoren, größtenteils Rentnern. Die politischen Auswirkungen die Ersparnisse von einigen hunderttausend Italienern auszuradieren, wären verheerend und keine italienische Regierung würde so eine Vorgehensweise überleben.

Quellen aus der deutschen Regierung besagen, dass Berlin flexibel sein wird, einer neuen technokratischen oder Mitte-Rechts-Regierung in Italien zu helfen, die Bankenkrise zu lösen. Kurzfristig bedeutet das, der italienischen Regierung zu erlauben, Kapital in ihre insolventen Banken zu pumpen, ohne die kleinen Sparer Bankrott zu machen, auch wenn dies die Regeln verletzt. Viel hängt von der Sitzung der Europäischen Zentralbank am 8. Dezember ab, die derzeit unter ihrem „Quantitative Easing“-Programm jeden Monat für 80 Milliarden Euros Wertpapiere kauft. Vor dem italienischen Votum erwartete der Marktkonsens, die Europäische Zentralbank werde eine sechsmonatige Verlängerung ihres Programms in gleicher Höhe beschließen. Nach dem italienischen Votum wird Deutschland diese Maßnahme fast mit Sicherheit unterstützen und offenlassen, ob das Programm ein weiteres Mal verlängert wird.

Obwohl Renzi sich selbst mit dem Mantel der Reform drapierte, waren seine europäischen Partner besorgt, dass die spezifischen Verfassungsänderungen, die er propagierte, ihm quasi diktatoriale Vollmachen geben würden. Das „Economist Magazine“ fasst dies in seinem Leitartikel vom 26 November folgendermaßen zusammen:

“Herr Renzis Verfassungsreform löst nicht das wichtigste Problem, nämlich Italiens Unwillen zu Reformen. Und alle sekundären Vorteile werden durch Nachteile aufgewogen – insbesondere durch das Risiko, dass der Versuch, die Instabilität, die Italien 65 Regierungen seit 1945 beschert hat, zu beenden, einen gewählten Diktator kreiert. Das in dem Land, das Benito Mussolini und Silvio Berlusconi hervorgebracht hat und das in besorgniserregender Weise anfällig für Populismus ist.“

Trotz offizieller Statements in den Tagen vor dem Votum, man werde Renzi unterstützten, bevorzugt Deutschlands Koalitionsregierung unter Angela Merkel eine Mitte-Rechts-Koalition in Italien und ist nach Renzis Abgang eher gewillt, Flexibilität zu beweisen. Die weithin antizipierte italienische Finanzkrise scheint aufgeschoben zu sein und – zumindest für die nächsten Monate – wird Italien Kredit bei seinen europäischen Partnern haben, während es seine Banken reorganisiert.

Advertisements

Spengler auf Deutsch 35: Europa ist ein leichtes Ziel für Terroristen

Europa ist ein leichtes Ziel für Terroristen

Der Originalartikel erschien am 22. März 2016 unter dem Titel „Europe is a sitting duck for terrorists“ in Asia Times.

Die europäische Sicherheit ist kollabiert und vielleicht nichtwiederherstellbar. In Europa operieren jetzt so viele künftige Terroristen, dass die Sicherheitsdienste die Fähigkeit verloren haben, potentielle Bedrohungen zu überwachen. Es gibt kein historisches Vorbild, an dem man den Zusammenbruch der Strafverfolgung in Europa messen könnte. Bemerkenswerterweise hat es sich diese Wunde selbst zugefügt.

Zwei Selbstmordattentäter haben heute Brüssel lahmgelegt, Heim der NATO und der Europäischen Union; am Flughafen der Stadt und der U-Bahnstation Maelbeek töteten sie 21 Passanten und verwundeten 35 schwer. Luft- und Bahntransporte sind gestoppt und das Netzwerk der Mobiltelefone ist überlastet. Die Behörden nehmen an, dass die heutigen Angriffe die Vergeltung für die Verhaftung von Salah Abdeslam sind, das letzte Mitglied der Terrorzelle, welche die Terrorattacken auf Paris vom 13. November ausführte, das sich noch auf freiem Fuß befand.

Einige Tausend ausgebildeter Terroristen haben Europa 2015 zusammen mit mehr als einer Million Migranten erreicht – 4000 nach einem Bericht in englischen Medien oder 1500 nach einer Aussage des Befehlshabers der NATO, General Philip Breedlove, vor dem amerikanischen Kongress am 1. März. Tatsächlich haben die Sicherheitsdienste keine Möglichkeit, die bona fides von Migranten zu überprüfen. Die Kosten für einen syrischen Pass und die Passage nach Europa betragen etwa 3.000 Dollar. ISIS und andere terroristische Organisationen können so viele Terroristen, wie sie wollen, nach Europa senden, und schon eine sehr kleine Zelle kann eine Großstadt lahmlegen.

Das stellt den Westen vor eine unerfreuliche Wahl. In Amerika hat es seit dem 11. September 2001 wenige großangelegte terroristische Anschläge gegeben, weil es jährlich 80 Milliarden Dollar für seine Nachrichtendienste aufwendet, die in den Vereinigten Staaten lebende Muslime intensiv überwachen, und weil es überhaupt nur sehr wenige Einwanderer aus potentiellen Terrorländern aufnimmt. Weniger Einwanderung wird von der öffentlichen Meinung Amerikas in überwältigendem Ausmaß befürwortet. Eine Umfrage zeigt, dass die Majorität der Amerikaner mit einer Mehrheit von 46 % gegen 40 % (14 % waren unentschieden) Donald Trumps Vorschlag unterstützt, muslimische Einwanderung zeitweise auszusetzten. Die heutigen Ereignisse bedeuten eine gute Nachricht für Trumps Präsidentschaftskampagne.

Europa dagegen befürwortet weiterhin aus humanitären Gründen massenhafte Einwanderung. Trotz der Wahlgewinne der Antieinwanderungs-Partei „Alternative für Deutschland“ zu Beginn dieses Monats, votierten mehr als drei Viertel der deutschen Wähler für Kandidaten, die Angela Merkels Einwanderungspolitik unterstützen. Die deutschen Behörden wissen nicht, wer die Flüchtlinge sind, und in vielen Fällen, wo sie sind. Laut der deutschen Tageszeitung „Die Welt” haben Tausende von Migranten die Flüchtlingslager verlassen; mindestens 7.000 werden allein in den Aufnahmezentren des Landes Brandenburg vermisst. Sicher, nur sehr wenige von ihnen sind potentielle Terroristen, aber der Kollaps der Kontrollen macht es für die Sicherheitsbehörden unmöglich, potentielle Terroristen zu überwachen.

Das heißt nicht unbedingt, dass ISIS und andere Terroristen nun wöchentlich Großanschläge durchführen werden. Aber die Häufigkeit der Anschläge ist nun in das Belieben der Terroristen gestellt. Anschläge mit hohen Opferzahlen, wie im November in Paris und heute in Brüssel verschaffen ISIS Glaubwürdigkeit. Aber ISIS will keine europäische Reaktion provozieren; er will einen Stützpunkt in Europa etablieren, der so haltbar ist, dass die europäischen Sicherheitsbehörden künftig nicht in der Lage sind, ihn zu vernichten.

Europa hat die einfache Wahl, an seinen Grenzen eine humanitäre Katastrophe geschehen zu lassen, oder die Kontrolle über seine eigene Sicherheit zu verlieren. Deutschland hat bereits die zweite Alternative gewählt und die heutigen Ereignisse werden keinen Einfluss auf Berlins Haltung gegenüber Migranten haben.

Spengler auf Deutsch 19: Eine Parabel für Deutschland

Das Original erschien am 18. Januar 2016 unter dem Titel „A Parable for Germany“ auf der Website des „Gatestone Institute„.

 Denk ich an Deutschland in der Nacht
Dann bin ich um den Schlaf gebracht
(auch im Original deutsch)

– Heinrich Heine.

Es war einmal ein alter Mann, der in seiner Jugend ein schreckliches Verbrechen begangen hatte, Mord an vielen Unschuldigen. Er konnte sich nicht länger erinnern, was ihn motiviert hatte; er versuchte, nicht daran zu denken, und die Erinnerungen kamen ungewollt und selten. Zorn und Schuld waren schon lange in ein vages Gefühl des Ekels verblasst. Er arbeitete hart und fand eine gewisse Ablenkung in der Monotonie der täglichen Aufgaben. Er suchte Ablenkung in fader Unterhaltung; er verfolgte Fußballspiele, sah Pornographie, schaute synchronisierte Versionen amerikanischer Komödien und machte Urlaub am Strand.

Er hatte ein Kind, aber keine Enkel; sein Kind wusste, dass er einstmals unverzeihliche Dinge getan hatte, aber es wollte nichts Genaueres wissen, und der alte Mann wollte sie ihm nicht erzählen. Das alte Verbrechen hing wie ein schwarzer Vorhang zwischen ihnen.

Der alte Mann konnte fühlen, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Vor sich sah er nur Tage voller Langeweile, unterbrochen lediglich durch einen gelegentlichen Anflug von Reue. Er liess die Tage kommen und gehen, sie mochten an ihr Ende kommen, er kannte keinen anderen Weise zu leben. Weil er keine Bindung ans Leben hatte, sah er keinen Weg, sich auf den Tod vorzubereiten.

Eines Tages traf der alte Mann auf der Straße einen Gassenjungen und von einem plötzlichen Drang getrieben lud er ihn in seine Wohnung ein. Er gab dem fremden Jungen zu essen und einen Platz zum Schlafen. Am nächsten Morgen kaufte der alte Mann dem Straßenjungen neue Kleider und gab ihm Sachen – ein Smartphone, ein Videospiel, ein Fußballtrikot. Der Junge blieb in der Wohnung und sagte wenig.

Nach kurzer Zeit bemerkte der alte Mann, dass ihm Dinge fehlten. Eine Uhr, die seinem Vater gehört hatte, verschwand aus einer Schublade. Ein silberner Erinnerungsbecher stand nicht länger im Schrank. Noch schlimmer: Er kam nach Hause und fand, dass Dinge absichtlich zerbrochen worden waren. Die Überreste eines gläsernen Kruges lagen in Scherben auf dem Küchenboden. Der Badezimmerspiegel war zerbrochen. Ein Sofakissen war aufgeschlitzt.

Nach einiger Zeit stellte der alte Mann den Jungen zur Rede: „Ich habe dir nur Gutes getan. Warum tust du mir das an?“ Der Junge lachte, dann schlug er den alten Mann. Der alte Mann lag auf dem Boden, blutete aus den Nase und an den Lippen. Vielleicht sollte er die Polizei holen? Er dachte: „Nein, ich will die Polizei nicht holen. Wozu soll das gut sein? Ich werde ja doch bald sterben. Vielleicht wird doch etwas Gutes herauskommen”. Die Aussicht auf den Tod nimmt uns die Vernunft, vor allem wenn wir wahrnehmen, dass unser Leben ein Fehlschlag war.

* * *

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, 2015 Person des Jahres im „Time Magazine“, war ein Vorbild an Vernünftigkeit. Sie fand Mittel, Deutschlands nahezu bankrotte südliche Nachbarn während der großen europäischen Schuldenkrise 2012 aufzufangen; sie entschärfte die Ukrainekrise nach der Maidanrevolution und Russlands Besetzung der Krim; sie hielt atlantische Verpflichtungen und europäische Integration im Gleichgewicht, während sie Europas einziger erfolgreicher bedeutender Wirtschaftsmacht vorstand. Merkel war vernünftig, bis ihr die Vernunft abhanden kam.

Die Aufnahme vom 1,2 Millionen muslimischer Flüchtlinge 2015 und vielleicht einer weiteren Million 2016, woran sie selbst nach dem organisierten massenhaften Sexualmissbrauch festhielt, der von Migranten in Köln und anderen deutschen Städten in der Silvesternacht begangen wurde, war ein Akt existentieller Verzweiflung, kein rationales Handeln. Was erklärt diese scheinbar schlagartige Veränderung?

Kanzlerin Merkel, das scheint offensichtlich, handelte aus einem Impuls, der ebenso unvermittelt wie unwiderstehlich war. Als im letzten Jahr die globale Flüchtlingsziffer die 60 Millionen-Marke überschritt, tat Deutschland nichts. Zwischen dem ersten Januar 2014 und dem 30. Juni 2014 erschienen weniger als 1000 Zeitungsartikel in deutschsprachigen Medien mit dem Wort „Flüchtlinge“ (auch im Original deutsch) – sie handelten meist von Bootsunglücken im Mittelmeer.

Ein Artikel vom 2. Januar 2014 in der Berliner Morgenpost  berichtete, dass die deutsche Regierung in diesem Jahr mit 6000 Flüchtlingen rechnete. Erst als die Flüchtlingskrise eine humanitäre Katastrophe an den deutschen Grenzen herbeizuführen drohte, handelte die Merkelregierung.

Diese Impulsivität verlangt eine Erklärung. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen es vorgezogen, nicht über ihre Vergangenheit nachzudenken, da sie zu schrecklich ist, um sie zu betrachten. Die deutschen Schulen unterrichten pflichtgemäß über den Holocaust und deutsche Städte erinnern pflichtgemäß an die ermordeten Juden; die Mauern des alten jüdischen Friedhofs in Frankfurt sind bedeckt mit kleinen Bronzeschildern für jeden Juden, der aus der Stadt deportiert wurde. „Sie werden uns Auschwitz nie verzeihen“, scherzte den österreichisch-israelische Psychiater Zvi Rix, und Deutsche versuchen oft, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren, indem sie Juden ähnliche Taten zuschreiben. 54 % der Deutschen unter 29 haben eine negative Meinung von Israel, gemäß einer im Januar 2015 durchgeführten Umfrage der „Bertelsmann-Stiftung“.

Die Deutschen arbeiten hart und versenken sich in ihr Privatleben, in Hobbies, Ferien und Sport. Aber sie haben keine Kinder, vor allem deshalb, weil sie sich selbst nicht mögen. Deutschland stirbt. Man kann es nicht nur vorhersagen, sondern sogar recht genau den Punkt kalkulieren, an dem so wenige Deutsche die Länder zwischen Rhein und Oder bewohnen werden, dass es ebenso bedeutungslos ist, von Deutschen zu sprechen wie von Etruskern oder Thrakern. Mit 1,3 Kindern pro Frau wird Deutschlands Bevölkerung mit jungen Menschen (0 bis 19 Jahre) und mit arbeitsfähigen Menschen (20 bis 64 Jahre) sich bis zum Ende des Jahrhunderts halbiert haben.

Die deutsche Bevölkerung nach Altersgruppen:

Das sterbende Deutschland hat nur einen Punkt auf seiner Wunschliste: die Erlösung. Die Deutschen können keine Erlösung für die Verbrechen ihrer Großväter erlangen, da sie nicht verstehen, was diese motivierte, solch schreckliche Dinge zu tun. Während des Ersten Weltkriegs glaubten Ihre Urgroßväter an die Überlegenheit der deutschen Kultur, und während des Zweiten Weltkriegs glaubten ihre Großväter an die Überlegenheit der arischen Rasse. Die heutigen Deutschen können nur glauben, dass keine Kultur und keine Rasse einen Anspruch auf Vorrang hat und dass alle Kulturen der Welt gleichwertig sind.

Israels ungenierter Nationalismus erschreckt sie, weil der nationalsozialistische Anspruch auf den Status der „Herrenrasse“ eine satanische Parodie auf die Auserwähltheit Israels war. In deutschen Augen sind jüdische Stärke und jüdischer Erfolg eine unbequeme Erinnerung an die Perversion der biblischen Idee der Auserwähltheit durch die Nazis.

Für Merkel und den Großteil der deutschen Elite ist die Ankunft von Millionen muslimischer Flüchtlinge an ihrer Türschwelle eine letzte Chance auf Erlösung, eine Gelegenheit für Deutschland, sich von den Verbrechen seiner Vergangenheit durch einen transzendenten Akt von Selbstlosigkeit loszukaufen. Die Deutschen haben sich vom Selbstopfer für das Vaterland abgewandt zu einer extremen Selbstbezogenheit. Deutschland wurde materialistisch, irreligiös und philiströs. Aber Selbstbezogenheit war eine schlechte Ablenkung von dem Horror, der nach dem Zweiten Weltkrieg fortbestand. Die Nazis nutzen Schrecken und Entsetzen (auch im Original deutsch), um das deutsche Volk an seine Führung zu binden. Die Aussicht auf neuen Horror, der nicht aus dem Kampf der Zivilisationen entsteht, sondern von internen Kämpfen innerhalb der muslimischen Zivilisation, ist zu viel, als dass die Deutschen sie ertragen könnten, weil sie den Schrecken des vergangenen Krieges zurückruft.

Das ist der Grund, warum die Deutschen erst dann kopfüber in ihre Entscheidung, Millionen muslimischer Flüchtlinge aufzunehmen, hineingestolpert sind, als die Schrecken des Krieges Deutschlands Türschwelle erreichten. Bevor die Flüchtlingsflut im letzten Sommer Mitteleuropa erreichte, zeigte Deutschland wenig Interesse an ihren Problemen. Wie erwähnt hatte Deutschland für 2015 nur die Aufnahme von 6000 Flüchtlingen vorbereitet. Nicht vor September, nachdem ein Foto eines ertrunkenen kurdischen Jungen über die Medien verbreitet und ein Dutzend verwesende Körper in einem verlassenen Lastwagen in Österreich gefunden worden waren, erklärte Merkel: „Wir schaffen es.“ (auch im Original deutsch). Das ist auch der Grund, warum Deutschland seine Politik nicht ändern wird, gleichgültig welche Verbrechen die Flüchtlinge begehen werden.

Frau Merkels Vernunft zerbröselte vor der schrecklichen Aussicht auf menschliches Leiden. Deutschlands Elite hofft, dass ein letzter großer nationaler Abschiedsakt die Aussicht auf Erlösung eröffnen wird.

Sicher, gewöhnliche Deutsche mögen es nicht, von organisierten Banden sexuell belästigt zu werden oder Opfer anderer sozialer Pathologien zu werden, welche die Flüchtlinge mit sich bringen. Trotz einiger Einwände, darunter einiger sehr lautstarker, werden die Deutschen gleichwohl tun, was die Obrigkeit (auch im Original deutsch) ihnen sagt, so wie sie es immer getan haben.

Leider sucht Deutschland Erlösung an den falschen Orten. Seine Leidenschaft, den Flüchtlingen zu helfen, ist kein Irrtum, keine Fehleinschätzung, sondern ein existentieller Impuls, so mächtig, dass alle Evidenz der Welt über die verderblichen Auswirkungen dieser Politik ihn nicht aufhalten kann. Man kann die Deutschen nicht davon abhalten, sich selbst zu zerstören. Sie können lediglich als abschreckendes Beispiel für den Rest von uns dienen.

 

Spengler auf Deutsch 1 – Schrecklicher als Vergewaltigung

Die Essays von David P. Goldman, übersetzt von Stefan O. W. Weiß

Der Originaltext erschien unter dem Titel „More horrible than rape” am 14. Oktober 2015 in Asia Times

Der Körper einer zwanzigjährigen syrischen Frau, “Rokstan M.” wurde letzte Woche aus einem flachen Grab in der kleinen sächsischen Stadt Dessau ausgegraben. Ihr Vater und ihre Brüder erstachen sie auf den Befehl ihrer Mutter hin, nachdem sie von drei Männern vergewaltigt worden war. Die Vergewaltigung hatte sie „unrein“ gemacht, und die Mutter verlangte ihre Ermordung, angeblich um die Familienehre wiederherzustellen. Die deutsche Polizei sucht den Vater und die Brüder. Das ist an sich nicht weiter erwähnenswert, wohl aber ist es die Nachricht selbst, die in keiner der großen deutschen Zeitungen oder Websites erschien. Die Boulevardzeitung „Bild“ brachte die Geschichte, wie auch regionale Blätter, während die Hüter der aufgeklärten Meinung sie ignorierten. Der „Spiegel“, die größte Nachrichtenseite des Landes, und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die zuständige Tageszeitung, erwähnten sie nicht.

Der Fall von Rokstan M. ist herzzerreißend. Sie hatte in Deutschland Arbeit gefunden als Übersetzerin für die Regierung, aber sie wusste, ihre Familie würde sie verfolgen und umbringen. „Ich erwarte den Tod. Aber ich bin zu jung, um zu sterben“, hatte sie in ihr Profil bei einem sozialen Medium geschrieben. Ihre Geschichte hätte ein oder zwei Zeilen in den Qualitätsmedien verdient. Aber sie ist eine von vielen, die Deutschlands Regierende nicht hören wollen.

Deutschlands Regierende – die dieses Jahr etwa 1,5 Millionen Migranten aufnehmen dürften – haben Mühe, auf Berichte über Sexualverbrechen zu reagieren, wie sie unter neuangekommenen Muslimen epidemisch sind. Innenminister Thomas de Maizière beschwor die Deutschen, nicht an Gerüchte über weitverbreitete Vergewaltigungen in Flüchtlingszentren zu glauben. Gleichzeitig aber warnte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: “Mein Eindruck ist, dass in den Ländern viel verharmlost wird“. Wendt fügte hinzu, es sei zwar verständlich, dass die Politik versuche, die Lage zu beruhigen. „Aber da ist schon viel Verniedlichung dabei.“

Deutschlands politische Elite weiß sehr wohl, dass die Einwanderer soziale Pathologien mitbringen, da sie bereits mit ansehen konnte, wie sich die weltweit schlimmste Epidemie von Sexualverbrechen in Schweden ausgebreitet hat. Abgesehen von einigen afrikanischen Ländern hat Schweden heute die international höchste Rate an angezeigten Vergewaltigungen, nahezu das Zehnfache seiner europäischen Nachbarn – eine Entwicklung der letzten zehn Jahre. Im „Gender Gap Index“ des Weltwirtschaftsforums rangiert Schweden unter den ersten Zehn, aber es ist das gefährlichste Land für Frauen außerhalb Afrikas geworden, mit einer Vergewaltigungsrate, die das Zehnfache seiner europäischen Nachbarn beträgt. Schwedens Regierende weigern sich nicht nur, etwas dagegen zu unternehmen, sie haben es auch zu einem Verbrechen gemacht, darüber zu reden.

Selbst im emanzipierten, feministischen, gendergerechten Schweden gibt es etwas Schrecklicheres als Vergewaltigung, etwas, das schrecklich genug ist, die politische Elite zu überzeugen, besser die physische und geistige Gesundheit zehntausender schwedischer Frauen zu opfern. Das ist der Horror der sozialen Desintegration in der muslimischen Welt. Schweden öffnete seine Grenzen für Flüchtlinge, schon zwanzig Jahre bevor die Migrantenflut die deutsche Türschwelle erreichte, und der Anteil im Ausland geborener Einwohner an der Gesamtbevölkerung stieg in Schweden von 9 % im Jahre 1990 auf 15,4 % im Jahre 2012. Ausländer haben zudem eine höhere Geburtenrate, so dass Anteil noch höher ist, wenn man die Einwanderer der zweiten Generation mitberücksichtigt.

Natürlich gab es Proteste, und nationalistische Parteien wie die „Schwedendemokraten“ haben mit einem Antiimmigrations-Programm an Unterstützung gewonnen, aber Schweden wird untätig bleiben, wenn sein sozialer Zusammenhalt zerbröselt. Gleiches wird – meines Erachtens – in Deutschland der Fall sein. Europa ist gelähmt von dem Schrecken, der sich von Libyen bis nach Afghanistan ausbreitet, wo eine der Weltkulturen vor unseren Augen zerfällt. In dieser Agonie ist die mächtigste Waffe der muslimischen Welt ihre eigene Schwäche. Die menschlichen Kosten des Zerfalls von Libyen, des Jemen, des Iraks und Syrien sind erschreckend, aber sie sind gering, verglichen mit dem Horror, welcher die Destabilisierung der Türkei, von Saudi-Arabien, Pakistan und Bangladesch hervorrufen würde. Der Westen kann es nicht ertragen, dem zuzusehen.

Einen Monat nach der 2001 erfolgten Attacke auf die Twin Towers warnte ich, dass “der radikale Islam gewinnen könnte”, durch dieselben Methoden, die beinahe den letzten Weltkrieg für Hitler gewannen:

„Al-Kaida will kein Land, keine Konversionen, keine Beute, keine Sklaven. Sie will den Westen zerstören und wird gerne Millionen muslimischer Leben opfern, um dies zu erreichen. Tatsächlich mag die massenhafte Opferung muslimischen Lebens sogar der Kern ihres Schlachtplans sein. Er hat mehr gemein mit dem Dostojewski der „Dämonen“ oder dem Wagner der „Götterdämmerung“ als mit den muslimischen Eroberern des Mittelalters.

Horror ist die Achillesferse des Westens. Die Nazis hatten das verstanden und unternahmen einen Feldzug ‚des Schreckens‘ (auch im Original deutsch) und ‚Entsetzens‘ (auch im Original deutsch). Horror war kein bloßes Instrument der Kriegführung im herkömmlichen Sinne, sondern eine Form Wagnerischen Theaters oder psychologischer Kriegführung in großem Maßstab. Hitlers taktischer Vorteil lag in seiner Fähigkeit, mehr Schrecken zu verbreiten, als seine Gegner sich vorstellen konnten“.

Das ist der Grund, warum ich seit fünfzehn Jahren über dieses Thema schreibe: um die Herzen zu verhärten und den Westen gegen seine Verwundbarkeit zu impfen.

Schweden hat eine afrikanische Vergewaltigungsrate:

Die Häufigkeit von Vergewaltigungen in Schweden hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht, als das Land Europas Primärziel für muslimische Immigranten wurde. In einem Artikel für das „Gatestone Institute“ beobachten Ingrid Carlqvist und Lars Hedegaard: „Seit 2000 hat es nur eine Untersuchung über von Immigranten verübte Verbrechen gegeben. Sie stammt von Ann-Christine Hjelm von der Karlstad-Universität aus dem Jahre 2006. Es stellte sich heraus, dass im Jahr 2002 85 Prozent derjenigen, die vom „Svea Hovrätt“, einem Berufungsgericht, zu mindestens zwei Jahren Gefängnis wegen Vergewaltigung verurteilt worden waren, im Ausland geboren oder Einwanderer der zweiten Generation waren.

Ein 1996 veröffentlichter Bericht des Schwedischen Nationalrats zur Verbrechensprävention kam zu dem Schluss, dass Einwanderer aus Nordafrika (Algerien, Libyen, Marokko und Tunesien) mit einer 23-mal so hohen Wahrscheinlichkeit eine Vergewaltigung verüben wie schwedische Männer. Die Zahlen für Männer aus dem Irak, Bulgarien und Rumänien lagen bei 20, 18 und 18. Männer aus dem übrigen Afrika waren 16-mal, Männer aus dem Iran, Peru, Ecuador und Bolivien zehnmal so anfällig, Vergewaltigungen zu begehen wie Schweden.

In den letzten Jahrzehnten hat ein neuer Trend Schweden mit voller Wucht getroffen: Gruppenvergewaltigungen („gang rape“) – bis dahin weitestgehend unbekannt in der schwedischen Kriminalhistorie. Die Zahl der Gruppenvergewaltigungen ist zwischen 1995 und 2006 sprunghaft gestiegen. Seitdem wurden keine Studien mehr durchgeführt“.

Schweden bleibt nicht nur untätig, während eine beträchtliche Anzahl schwedischer Frauen vergewaltigt wird, es ächtet auch die öffentliche Diskussion über die Ursachen. Michael Hess, ein Politiker der Schwedendemokraten, wurde von einem schwedischen Gericht verurteilt, gemäß einem Gesetz, das die Verunglimpfung ethnischer Gruppen verbietet, weil er 2014 geschrieben hatte: „Es besteht eine enge Verbindung zwischen den in Schweden verübten Vergewaltigungen und der Zahl der Einwanderer aus den MENA-Ländern (Naher Osten und Nordafrika)“.

Schwedische Vergewaltigungsrate in drei Jahren verdreifacht:

Warum fügt Schweden sich selbst solchen Schaden zu und kriminalisiert Kritik an der Politik, welche ihn verursacht hat? Ideologie kann nicht die ganze Erklärung sein. Sicher, Schweden hängt einer postmodernen Multikulti-Ideologie an, aber auch eine andere Ideologie hat eine Stimme: der Feminismus. Aber die Feministen schweigen zu dem Thema der schwedischen Vergewaltigungsepidemie. Nicht weil die Feministen Vergewaltigung billigen, sondern weil es Schrecklicheres als Vergewaltigung gibt.

Es gibt Augenblicke in der Geschichte, in der langfristige Entwicklungen sich in kurzfristigen Ereignissen äußern, und wir erleben unglücklicherweise einen solchen. Die Welt ist wirklich sehr seltsam geworden. Allein in der letzten Woche waren wir Zeuge von Mord durch Selbstmordattentat in Ankara, mit der wahrscheinlichen Komplizenschaft der türkischen Regierung, und einer Epidemie von willkürlichen Attentaten auf Israelis, begangen von scheinbar ganz gewöhnlichen palästinensischen Arabern, die von ihrem Klerus und ihren „moderaten“ ebenso wie von ihren radikalen politischen Führern aufgehetzt werden. ISIS setzt weiterhin die Welt in Schrecken.

Israel hat schon Terrorangriffe in weit größerem Ausmaß erlebt; allein im März 2002 starben 130 Personen durch Selbstmordattentate während der zweiten Intifada. Die Attentate waren gut organisiert, unterstützt durch ein Netzwerk von Sprengstoffexperten, Planern und Transporteuren. Die israelischen Sicherheitsbehörden brauchten drei Jahre, um diese Operationen zum Erliegen zu bringen und die Bedrohung einzudämmen. Die aktuellen Angriffe sind jedoch in mancher Hinsicht fremdartiger und beunruhigender. An ihnen sind anscheinend Bürger beteiligt, die nie durch Radikalität aufgefallen sind, wie der arabische Angestellte einer israelischen Telefongesellschaft, der mit seinen Lieferwagen in eine Gruppe von Fußgängern raste, dann sein Auto verließ und einen sechzigjährigen Rabbiner mit der Axt erschlug. Die grausige Tat wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet; es ist schmerzhaft, sie anzusehen. Israelische und West-Bank-Araber, die vorher nie gewalttätig waren, scheinen spontan in Wut auszubrechen und israelische Ziele anzugreifen, in dem sicheren Wissen, dass sie sterben werden, nachdem sie Israelis Schaden zugefügt haben, der geringfügig ist verglichen mit den Selbstmordanschlägen von 2002.

Die angebliche Provokation, welche die Attentate auslöste, ist eine urbane Legende, nämlich jüdische Pläne gegen die Al-Aqsa-Moschee (auf dem Tempelberg in Jerusalem), obwohl die israelische Regierung ihr Verbot von jüdischen Betern auf dem Tempelberg rigoros durchgesetzt hat. Rabbi Yehuda Glick, ein Befürworter von jüdischen Betern auf dem Tempelberg, hat beobachtet, dass die israelische Polizei sogar Juden verhaftet, „weil man sie (Gebete) zu flüstern verdächtigte“. Die angebliche Verschwörung gegen Al-Aqsa ist weder das dümmste, noch das tödlichste Gerücht, welches die muslimische Welt aufrührt. Die Kinderlähmung ist nach Pakistan und Nigeria zurückgekehrt, weil lokale islamische Autoritäten Fatwas gegen Impfung erlassen haben; sie behaupten die Impfung wäre eine westliche Verschwörung, um muslimische Fruchtbarkeit zu reduzieren.

Es hat schon viele Vernichtungskriege gegeben, aber im heutigen Terrorismus ist etwas einzigartig Schreckenerregendes. Nie in der Geschichte der Kriegsführung waren Zehntausende von Individuen bereit, Selbstmord zu begehen, um feindliche Zivilisten zu schädigen. Nie war eine kriegführende Seite bestrebt (die Hamas im Gaza Raketenkrieg 2014), zivile Verluste der eigenen Seite zu maximieren. Die Japaner töteten über 20 Millionen Chinesen während des Zweiten Weltkriegs, aber sie begingen Selbstmord im Kampf bei dem Versuch, gegnerische Kriegsschiffe zu versenken, nicht feindliche Zivilisten zu töten. Auch die Nazis verlangten von ihren Soldaten nicht, sich selbst zu töten, um Juden zu töten.

Bret Stephens, der Chefredakteur des Auslandsressorts beim “Wall Street Journal”, nannte dieses Verhalten „Psychose“. Das legt die Frage nahe: Was für eine? Das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, englisch für „diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“, ein Klassifikationssystem in der Psychiatrie) kennt sie nicht. Vielleicht sollten wir es „Sozialer-Tod-Umnachtungssyndrom“ oder „STUS“ nennen.

Die Angst vor dem sozialen Tod, die mit dem Niedergang einer Kultur einhergeht, ist unsäglich schlimmer als der individuelle Tod, und der Schrecken vor der Aussicht auf sozialen Tod führt zu grauenhaftem Verhalten. Präziser: er macht es unmöglich zu sagen, was grauenhaft ist und was nicht. „Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar, und sooft wir den Versuch dazu machen, können wir bemerken, daß wir eigentlich als Zuschauer weiter dabeibleiben“, sagte Freud. Das ist nicht ganz richtig, wir zittern oft in Angst und Schrecken vor der Aussicht auf unseren eigenen Tod, was wir nicht täten, wenn wir ihn uns nicht vorstellten. Unser Bewusstsein aber ist beides, individuell und gesellschaftlich, und wir betrachten unseren eigenen Tod mit dem inneren Auge derer, mit denen wir eine gemeinsame Sprache und Bestrebungen teilen, die nicht mit dem Ende unserer physischen Existenz enden werden.

Außer sie tun es doch. Das ist der absolute Horror. Es ist ein Sache, sich selbst als Zuschauer bei seinem eigenen Begräbnis vorzustellen, und eine andere, sich vorzustellen, in ewiger Stille zu versinken, abgeschnitten von jedem menschlichen Kontakt, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Das ist ein lebendiger Tod, eine geistige Anwesenheit ohne Bewusstsein. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie wären auf Ihrem Totenbett der letzte Sprecher einer Sprache, die mit ihrem eigenen Hinscheiden ausstürbe und so ihr eigenes Andenken und ihre eigene Geschichte auslöschte. Das ist ein schlimmerer Horror als die Hölle, wo man wenigstens mit seinem Nachbarn in der Schwefelgrube schwatzen könnte. Der Schatten des Achilles konnte sich wenigstens bei Odysseus über das Elend in der Unterwelt beschweren; stellen Sie sich vor, wie der Sohn des Peleus sich gefühlt hätte, wenn das Andenken an Hellas zusammen mit seiner Sprache für immer ausgelöscht wäre, und er säße allein und in ewiger Stille im Hades.

So fühlt es sich an, in einer sterbenden Kultur gefangen zu sein. Rationalität hört auf, eine Bedeutung zu haben. Wenn Sie erfahren, dass Sie an einem unheilbaren Gehirntumor leiden, mögen Sie ihre Lebensversicherung zu Geld machen und eine Orgie feiern – aber nicht, wenn jeder, der Ihre Sprache spricht und Ihre Erinnerungen teilt, bereits ausgelöscht ist. In diesem Fall könnten Sie mit dem Geld nichts mehr anfangen. Sie könnten sich in eine Bar setzen und Château Pétrus trinken. Oder Sie könnten gehen und den nächsten Israeli, der Ihnen über den Weg läuft, niederstechen.

Das Ende der muslimischen Kultur ist zu schrecklich, als dass die Deutschen es ins Auge fassen könnten, zumal die Stunde auch für sie schlägt. Und gerade für Deutsche ist es schmerzhaft, die Möglichkeit zu erwägen, dass die Quelle für die schrecklichen Ereignisse, die Millionen nach Deutschland getrieben hat, in der Eigenart des Volkes selbst liegt. Syrien hat sich selbst in Stücke gerissen, nicht nur wegen der Vergehen seiner Regierenden, sondern eher wegen der Eigenart des Volkes. Sobald die sunnitische Revolte gegen die majoritär schiitische Regierung im Irak auf Angehörige von Saddam Husseins Armee und des „sunnitischen Aufbruchs“, den General Petraeus während der Offensive von 2007-2008 finanziert hatte, zurückgriff, wurde ein tödlicher Konfessionskrieg in Syrien unvermeidlich, in dem beide Seiten die abstoßendsten Grausamkeiten begingen.

Das Assadregime hat mehr Menschen umgebracht, da es über Flugzeuge verfügt, um sunnitische Zivilisten anzugreifen, aber die sunnitische Opposition – einschließlich der „moderaten“, von Amerika unterstützten sunnitischen Opposition – hat Massenmorde begangen und damit angegeben. Human Rights Watch meldete im Oktober 2013, dass bei einer Operation in der Nähe von Latakia im alewitischen Herzland „sunnitische Kämpfer 190 Zivilisten getötet haben. Einwohner und Mitarbeiter des Krankenhauses in Latakia, der nächstgelegenen Stadt, sprachen von verbrannten Körpern, enthaupteten Leichen und Gräbern, die man in Hinterhöfen gegraben hatte. Zweihundert Menschen aus dieser Gegend sind als Geiseln genommen“. Der Stabschef der „Freien Syrischen Armee“, Salam Idriss, Aushängeschild der „moderaten Opposition“, rühmte die Operation in einem Video und übernahm teilweise die Verantwortung. Mit öffentlichen Hinrichtungen und der Zerstörung archäologischer Schätze hat ISIS das Vorstellungsvermögen der Welt gefangengenommen und ihr den Magen umgedreht. Aber das ist die Art und Weise in der Muslime seit 1500 Jahren Krieg führen. Man befrage die Christen auf dem Balkan oder die Armenier in Anatolien über die Türken.

Große Teile der syrischen Bevölkerung haben sich bei den Grausamkeiten des Bürgerkrieges mitschuldig gemacht, in den meisten Fällen mit Absicht. Massenhafte Teilnahme an Kriegsverbrechen hat zwei Funktionen: erstens den Willen des Feindes zu brechen, zweitens die gesamte Bevölkerung mitschuldig zu machen. Die Nazis stellten sicher, dass die deutsche Bevölkerung vom Holocaust wusste, um sie enger an ihre Führer zu binden. Aber da war noch eine dritte Funktion des Naziterrors: Ich vermute, daß ihre „Schrecklichkeit“ (auch im Original deutsch) den Zweck hatte, den christlichen Glauben zu vergiften: auch die Nazis wussten, wie man die „Brüder Karamasow“ liest.

Horror schreckt Muslime nicht ab, weil Muslime die Welt als beherrscht von einem unbeschränkten Willen ansehen. Allahs Wille leitet die Drehung jedes Elektrons und die Bahn jedes Geschosses. Er ist unfassbar und willkürlich, wie die Natur in der heidnischen Welt. Der Islam kann Horror ertragen, aber keine Demütigung. Aber Horror ist die Achillesferse der christlichen Welt, dessen grundlegende Prämisse darin besteht, dass Gott der Menschheit seine selbstlose Liebe und unverdiente Gnade darbietet und in einem gewissen Grade das Gute begünstigt. Die Auffassung, dass das Universum grausam und sinnlos ist, ist Gift für das Christentum. Das ist das große Paradox der Erlösung. Wenn Gottes selbstlose Liebe und unverdiente Gnade der gesamten Menschheit Erlösung verheißt, was machen wir mit denen, die sie vorsätzlich zurückweisen?

All die Versprechen himmlischer Seeligkeit sind die Folter eines einzigen Kindes nicht wert, sagte Dostojewskis Iwan Karamasow. Aber Karamasow sprach von dem anormalen Verhalten einiger grausamer Menschen in der christlichen Welt, deren Taten die große Mehrheit der Christen verdammen würde. Das Zeitungsfoto eines ertrunkenen Jungen überwältigte Europa. Was soll man tun mit einer Kultur, die routinemäßig Grausamkeiten begeht?

“Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen”, witzelte der israelische Psychiater Zvi Rex, und es liegt eine tiefe Wahrheit in diesem Witz. Auschwitz vertilgt die Deutschen, während die Juden gedeihen, jedenfalls in Israel. Israelische Juden haben drei Kinder pro Frau, während Deutsche weniger als 1,4 haben. Bei der gegenwärtigen Fruchtbarkeitsrate wird es am Ende dieses Jahrhunderts mehr Israelis unter 25 als Deutsche geben. Der Anteil der deutschen Bevölkerung über 60 wird im gleichen Zeitraum auf 45 % ansteigen.

Bevölkerung unter 25:

Bevölkerung über 60:

Der Impuls, Deutschland für muslimische Flüchtlinge zu öffnen, ist für die deutsche Elite unwiderstehlich, insbesondere für Kanzlerin Angela Merkel. Um ihre Motive zu verstehen, muss man bedenken, dass sie nicht nur eine Deutsche, sondern auch eine Christin ist. „Der Glaube an Gott und die Nähe zur Kirche haben mich von Kindheit an geprägt und beschäftigt“, schrieb sie in einem Essay mit dem Titel „Warum ich Christin bin“ kurz vor ihrem Wahlsieg. Als Tochter eines Pfarrers wuchs sie im atheistischen Ostdeutschland auf und bewahrte ihren Glauben trotz der Feindschaft des Staates und ihrer Kollegen. „Seit meiner Jugend wusste ich also, dass ich durch mein Bekenntnis zu Gott und zu seiner Kirche einem inneren Kompass folgte, der vom Staat und der Mehrheit der Bevölkerung als Richtungsweiser abgelehnt wurde. Es war auch nicht immer einfach, zu seinem Christsein zu stehen. Im Gegensatz zu den meisten Jugendlichen ging ich zur Christenlehre und zum Konfirmandenunterricht und nicht zur Jugendweihe“.

All die Versprechen himmlischer Seeligkeit sind die Folter eines einzigen Kindes nicht wert, sagte Iwan Karamasow. Das Bild eines ertrunkenen Jungen überwältigte Europa. Nur einige hunderttausend Menschen sind in den letzten fünfzehn Jahren im Irak und in Syrien getötet worden, aber bei der Zählung der Todesopfer könnten bald weitere Nullen auf der rechten Seite erscheinen. Ob die Migrantenwelle spontan entstanden oder von der Türkei kanalisiert worden ist, kann hier beiseite bleiben. Das christliche Gewissen kann der Horror menschlichen Leidens in apokalyptischem Ausmaß nicht ertragen, und was wir jetzt sehen, ist winzig, verglichen mit dem, was wahrscheinlich demnächst kommen wird.

Das Judentum – so scheint mir – ist widerstandsfähiger im Angesicht des Horrors, weil es der Menschheit einen höheren Grad an Freiheit zuweist, nämlich die radikale Freiheit in einem Partnerschaft mit dem Schöpfer der Welt einzutreten und die Natur selbst zu ändern. Der Gott, den das Judentums in der Welt, in der wir uns befinden, antrifft, ist nicht ein Gott, der die Ansprüche der Philosophen oder Theologen befriedigt, sondern ein Gott, der die Schöpfung absichtlich unvollkommen ließ, so dass der Mensch die Freiheit hat, ein Partner im Werk der Schöpfung zu werden. Das Chaos in der Natur dieser Welt und menschliche Schlechtigkeit sind die göttliche Herausforderung für die Menschheit zum Status des Mitschöpfers aufzusteigen. Die Möglichkeit radikaler Freiheit beinhaltet – selbstverständlich – die Möglichkeit des radikal Bösen.

Der Christ ist wiedergeboren in der Kirche und tritt als Individuum in ihre Gemeinschaft ein. Der Jude war schon anwesend bei der Gründung des Bundes am Berge Sinai, wo ganz Israel, einschließlich aller künftigen Generationen, die Stimme Gottes von dem Feuerberg hörte. Der Christ grübelt, warum guten Menschen Böses wiederfährt; der Jude betet jeden Morgen in guten wie in schlechten Zeiten „Glücklich sind wir, wie gut ist unser Anteil, wie lieblich unser Los und wie schön unser Erbe“. Die Errettung aus dem Schilfmeer ist kein vergangenes Ereignis und Israels endgültige Erlösung keine ferne Zukunft: Das Judentum ist einfach die Konstruktion einer Gegenwart, in der alle Generationen frohlocken über Israels Erbschaft, und die einen Kontext bietet, an dem das individuelle Leiden zu messen ist. Man mag mit Iwan Karamasow fragen, ob all dies das Leiden eines einzigen Kindes wert ist? In der jüdischen Auffassung ist sein Wert zu Gott – nicht dem abstrakten Gott, nicht einem selbstgemachten Gott, dem wir unsere eigenen Empfindungen unterschieben, sondern JHWH, mit dem Abraham und Moses sprachen.

Die Dschihadisten wissen, wie man westliche Gefühle manipuliert. Katastrophale Todesraten sind Teil des Programms, zumindest auf einer Anzahl von Schauplätzen. Die Hamas in Gaza war die erste Kriegspartei in der Geschichte, die bewusst die Zahl der Todesfälle unter der eigenen Zivilbevölkerung maximierte (indem sie Tausende von Raketen von dichtbevölkerten zivilen Regionen nach Israel abfeuerte). Der israelisch-palästinensische Konflikt ist jedoch nur eine Nebensache in der Katastrophe des Nahen Ostens, die Desintegration von Libyen, Syrien, dem Irak, Somalia, dem Südsudan und Jemen wie auch die latente Instabilität von Pakistan und anderen muslimischen Ländern die Hauptsache.

Nur einige hunderttausend Menschen sind in den letzten fünfzehn Jahren im Irak und in Syrien getötet worden, aber bei der Zählung der Todesopfer könnten bald weitere Nullen auf der rechten Seite erscheinen. Ob die Migrantenwelle spontan entstanden oder von der Türkei kanalisiert worden ist, kann hier beiseite bleiben. Die Deutschen – die besten Deutschen wie Kanzlerin Merkel – können den Horror menschlichen Leidens in dem gegenwärtigen Ausmaß nicht ertragen, und was wir jetzt sehen, ist geringfügig, verglichen mit dem, was wahrscheinlich als Nächstes kommen wird.

Die Alternative besteht zwischen einem nahezu apokalyptischen Grad von Horror und einen eher begrenzten Horror. Was immer sie sich vorstellen können, es wird schlimmer sein. Wenn der Westen den Horror in sein eigenes Haus einlädt, wird er wahrscheinlich nicht überleben.