Spengler auf Deutsch 65: Small-Ball-Konservatismus oder nationale Größe?

Das Original erschien am 23. Oktober 2016 unter dem Titel “Small-ball conservatism or national greatness?“ in Asia Times.

Small-Ball-Konservatismus[1] dominiert das Denken des republikanischen Mainstreams.

Es findet seinen Ausdruck in den Publikationen von Ramesh Pommeru, Ross Douthat und Yuval Levin, deren “Vision konservativen Regierens” folgendermaßen aussieht:

… amerikanisches Leben, in dem die Regierung die Gesellschaft nicht als ein Instrument nutzt, um progressive Ziele zu verfolgen, sondern eher den Raum erhält und stärkt, in dem die Gesellschaft gedeiht und alle Amerikaner befähigt, an dem teilzunehmen, was in diesem Raum geschieht.

So eine Regierung wäre zweifellos viel kleiner, zurückhaltender und weniger kostspielig als die, welche wir heute haben. Sie wäre fiskalisch nachhaltig, sie würde die Katastrophe verhindern, der wir entgegengehen, wenn unsere Sozialprogramme nicht eingeschränkt werden, sie würde die Privatwirtschaft stärken, statt ihr Ressourcen zu entziehen.

Levin nennt das eine „moderne Politik der Subsidiarität – d. h. Macht, Autorität und Bedeutung sind so dicht an der Ebene zwischenmenschlicher Gemeinschaft angesiedelt, wie es vernünftigerweise möglich ist“. D. h. man macht viele gute, kleine Dinge an der Basis der Zivilgesellschaft.

Wenn wir Small-Ball spielen, werden wir verlieren. Insbesondere werden wir Amerikas technologische und wissenschaftliche Vorherrschaft verlieren, unsere dominante Position als Militärmacht und einen bedeutenden Teil unseres Lebensstandards. In einer Welt des Wettbewerbs meint „verlieren“ nicht, einige Punkte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts einzubüßen; es meint die Art von Niedergang wie ihn das Vereinigte Königreich in den 1950ern und 1960ern durchmachte, als seine Auto-, Schiffbau- und Maschinenbauindustrien nahezu verschwanden.

Small-Ball-Konservatismus ignoriert den wichtigsten Aspekt in der globalen Wirtschaft: unsere Wettbewerber. Wir sind nicht mehr im Jahre 1981, als die digitale Revolution die furchterregende Überlegenheit der Sowjetunion an konventionellen Waffen überwältigte. Als Ronald Reagan das Amt übernahm, hatten die High-Tech-Unternehmer der Welt keinen Platz, zu dem sie hätten gehen können, außer Amerika. Amerikas Universitäten hatten ein Monopol auf High-Tech-Technologie, das amerikanische Verteidigungs- und Weltraumprogramm dominierte die Spitzenforschung, und amerikanische Kapitalmärkte waren die einzige vorhandene Kapitalquelle für High-Tech-Gründungen.

Wir haben immer noch einen Vorteil, aber er schwindet schnell dahin. Amerika ist nur noch ein zweitklassiger Standort für die Herstellung von High-Tech-Produkten, und unser Monopol in Schlüsselbereichen des Wissens ist keineswegs sicher. Unser Verteidigungsetat wendet – gerechnet als Anteil vom Bruttoinlandsprodukt – nur halb so viel wie früher für Forschung und Entwicklung auf. Und wir stehen neuen und selbstbewussten Wettbewerbern gegenüber, die entschlossen sind, die Vereinigten Staaten zu überholen. Wenn wir die Hürde des globalen Wettbewerbs nicht überspringen, dann wird alles Gute, das wir im Kleinen tun, nichts helfen.

Amerika wird den Weg zu neuer nationaler Größe nicht durch Zufall finden. Wir müssen alle Kräfte gleichzeitig mobilisieren, etwas, das wir seit Ronald Reagans Amtszeit nicht getan haben. Amerikas Niedergang in Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Fertigkeiten ist so weit fortgeschritten, dass nur ein nationaler Wiederherstellungsplan uns vor einem Niedergang wie dem von Nachkriegsgroßbritannien retten wird. Wir brauchen eine nationale Initiative, um Amerikas technologische Überlegenheit, Infrastruktur, Erwerbsbeteiligung wiederherzustellen, und vor allem ein Gefühl für nationale Ziele und Moral.

Unser Vorbild sollte Ronald Reagans „Strategic Defense Initiative“ sein, eine Musterung der intellektuellen und unternehmerischen Ressourcen, um die asiatischen Wettbewerber zu überholen, welche nun drohen, einen technologischen Vorsprung zu gewinnen, den wir wohl nie werden einholen können, wenn wir es nicht schnell tun. Das ist großer Konservatismus: die Mischung nationaler Verteidigung und Weltraumforschung mit der Schaffung von Gelegenheiten für eine neue Generation von Unternehmern.

Steuersenkungen und Deregulierung sind eine unverzichtbare Komponente dieser Politik – ebenso wie sie es unter Reagan waren. Die alte amerikanische Erfolgsformel erlaubte privaten Risikounternehmern, die neuen Technologien zu übernehmen, welche sich aus den Anforderungen der Verteidigung und Raumfahrt herausbildeten. Industriepolitik dagegen – die das Risiko den Steuerzahlern auflädt – produziert Vetternwirtschaft, Korruption und Fehlschläge. Aber die Anforderungen an die Rüstungsindustrie erhöhten das Niveau von Forschungs- und Entwicklung und schufen wegweisende Innovationen, welche die moderne amerikanische Wirtschaft möglich machten. Wissenschaftliche Forschung zu Verteidigungszwecken zusammen mit privaten Risikounternehmern ist die Kombination, welche Amerika aus der Stagflation der 1970er herausführte und uns die längste Wachstumsphase in der modernen Geschichte bescherte.

Unsere nationalen Sicherheitsanforderungen und wirtschaftlichen Bedürfnisse ergänzen sich. Amerikas technologischer Vorsprung in der Waffentechnik wird ernsthaft angefochten. Wir stehen einer Anzahl neuer potentieller Bedrohungen gegenüber: Satellitenkillern, Anti-Schiff-Raketen, hypersonischen Raketen, dazu bestimmt, unsere Flugabwehr zu besiegen, neue Radarsysteme, welche die existierende Tarnkappentechnologie neutralisieren, und Cyberkrieg, um nur die bekanntesten zu nennen. Russlands S-400 und S-500 dürften aktuell die besten verfügbaren Flugabwehrsysteme sein. Chinas Anti-Schiff-Raketen und getarnte U-Boote könnten Amerikas Flugzeugträger im Westpazifik neutralisieren. Quantumcomputer und ähnliche Technologien gefährden die Sicherheit der Kommunikation. Unser Hochspannungsnetz ist verwundbar durch elektromagnetische Impulswaffen. Es ist leicht mehr Härte gegenüber Russland und China zu fordern. Aber es ist nicht sicher, dass wir einen Seekrieg mit China im südchinesischen Meer oder einen Landkrieg mit Russland in der Ukraine gewinnen würden.

Das schwächt unsere Verhandlungsposition mit unseren Rivalen und möglichen Gegnern und zwingt uns, von einer schwächeren Position aus zu verhandeln, schwächer als sie selbst in den 1980ern war. Seit 2002 haben wir mehr als vier Billionen Dollar im Irak und Afghanistan ausgegeben, aber wie haben zugelassen, dass das Budget für militärische Forschung und Entwicklung um die Hälfte gekürzt wurde, gerechnet nach dem prozentualen Anteil am Bruttoinlandsprodukt.

Amerikas Position ist stärker gefährdet als am Ende der Stagflation in den 1970ern:

  1. Amerikas Bevölkerung altert rapide, von 15 % über 65 im Jahre 2015 auf 20 % 2030.
  2. 1979 hatte Amerika kaum ausländische Wettbewerber als Standort für unternehmerische Neugründungen. Das Kapital und das Talent der ganzen Welt konnten nirgendwo anders hingehen als in die Vereinigten Staaten. Heute gibt es zahlreiche konkurrierende Standorte für Technologieunternehmen.
  3. Asien und insbesondere China sind dabei, die technologische Lücke zu den Vereinigten Staaten zu schließen und haben amerikanische Hersteller in einer Anzahl von Schlüsselindustrien überholt.
  4. Die Verschuldung des Bundes betrug 1979 nur 30 % des Bruttoinlandsprodukts (nicht gerechnet die ungedeckten Leistungsansprüche); sie sind 2015 auf 110 % gestiegen.
  5. Wachstumshindernisse (ein Spitzensteuersatz von 70 % und eine inflationäre Geldpolitik) waren leicht zu identifizieren und zu reformieren.
  6. Amerikas Vorsprung in produktivitätsfördernde Technologien ist geschrumpft, grösstenteils weil die Aufwendungen für militärische Forschung und Entwicklung auf die Hälfte des Standes der späten 1970er zurückgegangen ist (relativ zum Bruttoinlandsprodukt).

Wir brauchen:

  1. Eine Verdoppelung der Bundesmittel für Forschung und Entwicklung in den Bereichen Verteidigung und Raumfahrt.
  2. Einrichtung von Forschungsprogrammen um unsere Wettbewerber in Schlüsselsystemen der Waffentechnik zu überholen, besonders in Cyberkrieg, Flugabwehr, Dronen, Tarnkappentechnik, Elektromagnetische Impulse und taktische Führung und Kontrolle auf dem Schlachtfeld.
  3. Eine Initiative, um auf dem Mars zu landen, in Nachahmung des Mondlandungsprogramms in den 1960ern.
  4. Wiederherstellung der Infrastruktur.
  5. Abbau von Vorschriften, die kleine Unternehmen behindern und Wettbewerb ersticken.
  6. Eine drastische Reduzierung der Steuern auf Unternehmens- und Kapitalgewinne.
  7. Verteidigung ausgewählter Industrien gegen die Ausspähpraktiken asiatischer Wettbewerber.

Wir brauchen eine wirkliche nationale Initiative und keine schrittweisen Lösungen. Die amerikanische Wachstums- und Innovationsmaschine ist zusammengebrochen und Zeit ist knapp.

Wir haben das niedrigste Produktivitätswachstum seit der Jimmy Carter-Ära und das niedrige Produktivitätswachstum korreliert mit dem Niedergang der Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung.

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Gerechnet als Prozentsatz vom Bruttoinlandsprodukt sind die Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung nur noch halb so hoch wie in der Reagan-Ära. Jedoch ist der aktuellen Stand der Dinge schlechter als die Zahlen erkennen lassen, da ein großer Teil des nationalen Forschungsbudgets von einem einzigen Programm absorbiert wird, dem F-35 Jäger. Was auch immer die Vorzüge dieses Waffensystems sein mögen – und seine Vorzüge werden von vielen glaubwürdigen Analysten bezweifelt – seine Kosten waren so hoch, dass sie in den letzten zehn Jahren alle anderen Forschungsvorhaben im Rüstungsbereich ausgetrocknet haben.

Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung als Prozentsatz vom Bruttoinlandsprodukt

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Um zu neuer Größe zu gelangen, muss Amerika die Führung bei Innovationen übernehmen. Und die große Quelle für Innovationen war das Verteidigungs- und das Weltraumprogramm. Henry Kessel, der frühere Direktor von „RCA Labs“[2] und ich haben in einem im Oktober 2013 erschienenen Essay für „The American Interest“ beschrieben, wie Rüstungsforschung Technologien mit großem kommerziellen Potential schuf.

Unter anderen bemerkenswerten Ergebnissen von Forschungsvorhaben, die durch Staatliche Verteidigungs- und Raumfahrtprogramme finanziert wurden, waren der Standardherstellungsprozess für integrierte Schaltkreise und kommerziell brauchbare Laser. Beide Innovationen wurden bei RCA entwickelt, dem Unternehmen, das David Sarnoff gegründet hat. Praktisch alle Chips, die heute produziert werden, werden nach dem CMOS-Verfahren hergestellt, das als ein Projekt des Verteidigungsministeriums in den 1970ern begann. Das Ministerium wollte die Möglichkeit erforschen, Computerchips mit geringerem Energieverlust herzustellen, als die damalige Technologie produzieren konnte. Nach der erfolgreichen Beendigung des Projekts wurde CMOS-Technik unter anderem dazu genutzt, Chips für Flugzeugradarsysteme herzustellen. In den 1980ern fand sie ihren Weg in die kommerziellen Märkte.

Ein zweites Beispiel: Die Entwicklung von Halbleiterlasern in den RCA-Laboren … wurde ursprünglich in den 1960ern durch das Verteidigungsministerium finanziert. Es sollten infrarote Scheinwerfer entwickelt werden, die ein Schlachtfeld ausleuchten könnten, aber unsichtbar für das menschliche Auge sind. Als diese Technologie in den späten 1960ern und frühen 1970ern fortschritt, wurde es klar, dass man solche Laser auch in Glasfaserkommunikationssystemen nutzen konnte. 1969 kündigte RCA einen kommerziellen Laser an, der auf einer Technologie basierte, welche weitgehend vom Verteidigungsministerium finanziert war. Begleitende Technologien entstanden, welche die Arten, Laser zu benutzen, erweiterten. Das führte zu ihrem gegenwärtigen Status, wo sie nicht nur der Kern aller Glasfaserkommunikationssysteme sind – einschließlich vokaler und Dateiennetzwerke -, aber auch als Schlüsseltechnologie für Millionen von Geräten, DVD-Playern und ähnlichen Produkten.

Im Auftrag von Norman A. Bailey, damals Planungsdirektor im Nationalen Sicherheitsrat, habe ich 1985 eine Studie erstellt, in der ich darlegte, dass die „Strategic Defense Initiative”, die damals von der Reagan-Regierung lanciert wurde, sich durch die hervorgebrachten Innovationen selbst bezahlen würde, ebenso wie das Apollo-Programm nach einer Schätzung sieben Dollar an wirtschaftlichem Gewinn für jeden von der NASA ausgegebenen Dollar eingebracht hat.

Die nationale Sicherheit fördert Innovationen, weil sie von der Wissenschaft verlangt, Dinge zu tun, die niemals zuvor getan worden sind und die unsere Gegner nicht tun können.

Ohne Produktivitätswachstum werden Investitionen, Löhne und Realeinkommen in der Depression verharren. Das Wirtschaftswachstum wird weiterhin auf nahezu Rezessionsniveau dahindümpeln.

Während der 1980er verwandelte eine Reihe von Technologien Amerikas Wirtschaft. Halbleiter, Kommunikation, Laser und andere Innovationen schufen neue Industrien in Computertechnik, Telekommunikation, Unterhaltung, Medien und Einzelhandel. Gemäß den Statistiken über wirtschaftliche Dynamik des „Census Bureau’s“ schufen neue Unternehmen mehr als 100 % der Arbeitsplätze, die zwischen 1992 und 2005 neu entstanden. Die „Kaufmann Foundation“ hat die Daten von Census in ihrem Bericht vom Juli 2010 zusammengefasst.

Im ersten Jahr ihrer Existenz kreieren Firmen durchschnittlich drei Millionen Arbeitsplätze pro Jahr. Das BDS definiert existierende Firmen – im Alter von ein bis sechsundzwanzig Jahren und mehr – dahingehend, dass sie sowohl Arbeitsplätze schaffen wie verlieren können. Ein Startup dagegen, also eine Neugründung, schafft ausschließlich Arbeitsplätze, da es ja noch keine Arbeitsplatzverluste hinnehmen musste. Wir können vermuten, dass der Nettogewinn an Arbeitsplätzen sich auch positiv auf existierende Firmen auswirkt, aber das ist nicht der Fall für die meisten analysierten Jahre. Bemerkenswerterweise zeigen die Zahlen, dass auch in Rezessionsjahren die Arbeitsplatzschaffung durch Startups stabil bleibt, während Arbeitsplatzverluste in existierenden Firmen stark abhängig vom Konjunkturzyklus sind.

Startups schaffen die meisten Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten:

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Eine radikale Wende fand nach der Großen Rezession statt. Die Daten des “Census Bureau“ zeigen zwischen 2007 und 2013 einen Rückgang der Zahl von neuen Firmen wie auch von Arbeitern, die von neuen Firmen beschäftigt werden.

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Niedergang von kleinen Unternehmen nach Anzahl und Beschäftigungszahl zwischen 2007 und 2013 (Census Bureau).

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An den Graswurzeln der Wirtschaft sucht das Risikokapital Soziale Medien, Apps und andere „weiche“ Investitionen mit geringem Bedürfnis nach Kapital und Arbeit; es vermeidet dagegen „harte“ Investitionen in Herstellung, Telekommunikation und andere Felder mit großem Bedarf an Kapital und Arbeit.

„Harte“ gegen „weiche“ Technologieinvestitionen:

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Während der 1980er und 1990er dominierte Amerika den technologischen Fortschritt durch eine Gruppe zerstörerischer neuer Unternehmen – Microsoft, Google, Cisco, Intel, Oracle und andere. Jedoch hat die frühere technologische Vorhut sich in eine Gruppe von stabilen Verbrauchermonopolisten verwandelt. Das wird aus dem Handelsmuster ihrer Aktien deutlich. Wir sehen, dass während der späten 1990er und frühen 2000er der Technologie Subsektor des S&P 500 Index eine etwa doppelt so hohe Volatilität (Standardabweichung von der Rendite, kalkuliert über einen Sechs-Monats-Zeitraum) hatte wie der allgemeine Index. Das spiegelt das größere Risiko und die höhere Dividende im Vergleich mit etablierten Unternehmen. Das Risiko (und also auch der mögliche Gewinn) sind auf das allgemeine Niveau der Wirtschaft abgesunken, als die große Welle der Innovationen verebbte.

Volatilität des S&P Technologiesektors versus Indexvolatilität:

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Wir befinden uns in einer Depression, die niemand so nennen will.

Als die Arbeitslosenrate 1933 die 25 % Marke erreichte, wurde sie errechnet aufgrund einer männlichen Partizipation am Arbeitsmarkt von 90 %. Der Prozentsatz beschäftigter Männer erreichte somit etwa 60 %. Heute haben wir eine nahezu identische Beschäftigungsquote von Männern bei 68 %, was durch Sozialprogramme, Universitätskredite und andere Mittel kaschiert wird, welche etwa einem Viertel der Arbeitsfähigen erlaubt, ständig müßig zu gehen.

Partizipationsrate am Arbeitsmarkt: Männer

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Industrielle High-Tech-Produktion ist seit den späten 1990ern von den Vereinigten Staaten weggedriftet. Bis in die späten 1990er hatte Amerika einen substantiellen Überschuss an High-Tech-Produkten. In den frühen 2000ern drehte sich das in ein Defizit, das 2016 wahrscheinlich 100 Milliarden Dollar erreichen wird.

Amerikanische Exporte und Importe von High-Tech-Geräten:

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Der größte Teil von Amerikas Handelsdefizit in High-Tech-Gütern besteht aus Technologien, die in den Vereinigten Staaten erfunden und in jedem einzelnen Fall durch Bundesmittel vom Verteidigungsministerium oder der NASA gesponsert worden sind. Die sieben unten angeführten Technologien sind die Basiselemente aller modernen Elektronik von Computern zu Smartphones. Und in jedem Fall ist ihre Herstellung nach Asien gewandert, weil asiatische Regierungen die frühere amerikanische Praxis übernahmen, Forschung und Entwicklung zu unterstützen. Die wirtschaftlichen Vorteile der digitalen Revolution, die in den Vereinigten Staaten ihren Ursprung haben, sind nach Asien gewandert. Amerikas Anteil an der Herstellung und Vertreibung seiner eigenen Inventionen ist relativ klein.

Die digitalen Kerntechnologien sind:

  • Flüssigkristalldisplays (LCDs), die in fast allen wirtschaftlichen Bereichen genutzt werden und die jährlich 100 Milliarden Dollar umsetzen. Südkorea kontrolliert 35 % des Marktes, Taiwan 25 % und China 20 %.
  • Leuchtdioden (LEDs) werden hauptsächlich in China und Taiwan produziert.
  • China und Taiwan dominieren die Produktion von Halbleiterlasern, der Energiequelle für Glasfaserkommunikation.
  • Festkörpersensoren, die Bilder in Digitalkameras und ähnlichen Geräten generieren, werden größtenteils in Taiwan und Japan produziert.
  • Flash-Speicher werden größtenteils in Südkorea, Japan und China hergestellt. Nur 10 % der Weltproduktion kommen aus den USA.
  • Integrierte Schaltkreise sind eine globale Industrie von 270 Milliarden Dollar. Die meisten werden in Taiwan und Südkorea produziert, und China hat ein aggressives Investitionsprogramm für diese Industrie gestartet. Weniger als ein Viertel der Weltproduktion kommt aus den USA.
  • Sonnenenergiekollektoren, eine 30 Milliarden Dollar Industrie, werden von China dominiert.

Einige der asiatischen Vorteile sind das Resultat des Diebstahls von geistigem Eigentum, aber größtenteils rühren sie aus einer breiten Zusammenarbeit von Regierung und Industrie her. Asiatische Länder haben amerikanische Technologien lizensiert, haben Joint Ventures mit amerikanischen Unternehmen unterstützt, um Technologietransfer zu fördern und billiges Kapital für High-Tech-Industrien bereitzustellen. Asiatische Regierungen fördern auch technische Erziehung. China promoviert heute jährlich zwei Mal so viele Doktoren in MINT-Fächern wie die Vereinigten Staaten.

Amerika entwickelte die meisten, wenn auch nicht alle Technologien, die Asien herstellt. Aber Asiens Abhängigkeit von amerikanischer Technologie beginnt abzunehmen. Chinas Flaggschiff als High-Tech-Hersteller, Huawei, beschäftigt heute Zehntausende von Ingenieuren, einschließlich Tausende Forscher im Westen in diversen Zentren in Europa. Noch vor einem Jahrzehnt wurde Huawei regelmäßig beschuldigt, westliche Technologie zu stehlen; heute ist er ein energischer Verteidiger von geistigem Eigentum, da er heute von seinen eigenen Erfindungen abhängt.

Wir sind auf einer abschüssigen Bahn. Wenn wir weiterhin an Boden verlieren, könnten wir keine Chance mehr haben, wieder aufzuholen. Nichts anderes als eine große nationale Anstrengung wird uns die Chance für ein Comeback geben. Und das Erste, das ein amerikanischer Präsident tun muss, ist zu erklären, dass eine große nationale Anstrengung in Vorbereitung ist, mit der gleichen Absicht, die in den 1950ern Eisenhowers und Kennedys Antworten an die russischen Bodengewinne im Weltall inspirierte, oder Reagans Entschlossenheit, den Kalten Krieg zu gewinnen und Amerika gegen Raketenangriffe zu verteidigen. Es gibt viele kleine Dinge, die getan werden müssen, aber es gibt eine große Sache, die getan werden muss. Wir müssen ein nationales Ziel identifizieren und alle Ressourcen der Vereinigten Staaten einsetzen, um es zu erreichen.

[1] Small-Ball bezeichnet eine Strategie beim Pokerspiel, nach der man nur um kleine Pötte spielt, um dem Risiko des frühzeitigen Bankrotts auszuweichen.

[2] Die Forschungsabteilung von RCA (Radio Corporation of America) an der Universität Princeton.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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