Spengler auf Deutsch 73: Trump könnte die amerikanische Wirtschaft wieder auf Kurs bringen

Das Original erschien am 14. November 2016 unter dem Titel “Trump could put the US economy back on track” in PJMedia.

Der Anstieg der Aktienkurse für Industrieprodukte und Rohmaterialien und der Kollaps des Anleihenmarktes seit Donald Trumps Wahlsieg deuten auf eine ganz andere Art der Weltwirtschaft. Statt in einer Welt des Quantitative Easing mit extrem niedrigen Zinssätzen und 1 – 2 % Wachstum zu verbleiben, haben die Vereinigten Staaten das Potential auf einen normalen wirtschaftlichen Erholungskurs.

Wie stark kann die amerikanische Wirtschaft wachsen? Die amerikanische Wirtschaft ist um 10 % kleiner als sie es nach einer „normalen“ wirtschaftlichen Erholung seit 2008 gewesen wäre, und wenn sie nur die Hälfte des verlorenen Terrains wiedergewinnen kann, dann wären das zusätzliche 5 % zum Bruttoinlandsprodukt. Der globale Wettlauf um Aktien für Kapitalgüter zeigt Amerikas Bedarf zum Import von Kapitalgütern, um sich auszurüsten.

Peking erwartet keinen Handelskrieg mit den USA; Trump wird von den Chinesen als pragmatischer Geschäftsmann gesehen, vielleicht als harter Verhandlungsführer, aber als ein Mann, dessen Ziel es ist, ein Abkommen zu schließen und nicht ideologisch zu punkten.

Rendite dreißigjähriger amerikanischer Staatsanleihen verglichen mit Industriemetallen:

Der Dollar ist gestiegen und die Währungen der aufsteigenden Märkte sind drastisch gefallen. Das liegt daran, dass die aufstrebenden Märkte ihre Schulden in ausländischer Währung seit 2008 verdoppelt haben; sie nahmen den Vorteil eines schwachen Wachstumsumfelds wahr, um sich zu niedrigen Zinsen zu finanzieren. Jetzt, da in den USA bald höhere Renditen zu erzielen sein werden, gibt es keinen Grund mehr diese Art von Wertpapieren zu besitzen, die unter dem schwachen Wachstumsumfeld der letzten acht Jahre so populär waren. Die Währungen und die Schulden der aufstrebenden Märkte werden unter Druck bleiben. Bei einigen Ländern besteht das Risiko von Währungskrisen.

Italienische und in geringerem Maße französische Staatsanleihen fielen drastisch. Das reflektiert teilweise den generellen Trend, aus Wertpapieren auszusteigen, die ein bescheidenes Einkommen in dem vorigen Umfeld boten (einschließlich Anleihen der aufstrebenden Märkte, Immobilienfonds und so weiter). Aber es reflektiert auch die Befürchtung eines politischen Zusammenbruchs in Kontinentaleuropa.

Trumps Kampagnenleiter Stephen Bannon wurde am Sonntagmorgen in den Nachrichten zitiert, da er die Kandidatin der oppositionellen Front National Marine Le Pen gerühmt hatte. Da sich die Unterstützung der regierenden französischen Sozialisten im einstelligen Prozentbereich bewegt, kann ein Sieg der Front National nicht ausgeschlossen werden. Die Wahlen in Deutschland im September/Oktober 2017 sind ebenfalls Gegenstand erheblicher Unsicherheit. In Italien wird am 4. Dezember ein Verfassungsreferendum stattfinden, das die Regierung wahrscheinlich verlieren und so Italien bis zu den Wahlen 2017 eine handlungsunfähige Regierung bescheren wird.

Europa als wirtschaftliches und politisches Vorhaben wird immer fragwürdiger. Einige deutsche Unternehmensführer haben der Presse mitgeteilt, dass Trumps Sieg Deutschland in den Osten treiben wird – nach Eurasien, insbesondere Russland und China. England ist zum gleichen Schluss gekommen. Es ist bemerkenswert, dass das britische Pfund als einzige unter den großen Währungen nach der Wahl in Amerika gestiegen ist. Teilweise reflektiert das die Affinität von Englands Nach-Brexit-Regierung zur entstehenden Trump-Regierung, teilweise auch die Ansicht, dass das britische Pfund nun geringeren Risiken als der Euro ausgesetzt ist. Von einer Ausweitung der amerikanischen Verteidigungsausgaben würde die britische Rüstungsindustrie ebenfalls profitieren. Und in nachträglicher Weisheit distanziert sich das Vereinigte Königreich von dem Chaos, als welches die Europäische Union jetzt wahrgenommen wird.

Das Vereinigte Königreich handelt gerade neue wirtschaftliche und monetäre Abkommen mit China und Indien aus. Das Timing von Indiens dramatischer Währungsreform (der Einzug hoher Banknoten, welche die Untergrundwirtschaft ermöglichen) ist hier bemerkenswert; anscheinend will Indien sein Finanzsystem säubern, so dass es eine größere Rolle in einer verwandelten Weltwirtschaft suchen kann.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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