Spengler auf Deutsch 35: Europa ist ein leichtes Ziel für Terroristen

Europa ist ein leichtes Ziel für Terroristen

Der Originalartikel erschien am 22. März 2016 unter dem Titel „Europe is a sitting duck for terrorists“ in Asia Times.

Die europäische Sicherheit ist kollabiert und vielleicht nichtwiederherstellbar. In Europa operieren jetzt so viele künftige Terroristen, dass die Sicherheitsdienste die Fähigkeit verloren haben, potentielle Bedrohungen zu überwachen. Es gibt kein historisches Vorbild, an dem man den Zusammenbruch der Strafverfolgung in Europa messen könnte. Bemerkenswerterweise hat es sich diese Wunde selbst zugefügt.

Zwei Selbstmordattentäter haben heute Brüssel lahmgelegt, Heim der NATO und der Europäischen Union; am Flughafen der Stadt und der U-Bahnstation Maelbeek töteten sie 21 Passanten und verwundeten 35 schwer. Luft- und Bahntransporte sind gestoppt und das Netzwerk der Mobiltelefone ist überlastet. Die Behörden nehmen an, dass die heutigen Angriffe die Vergeltung für die Verhaftung von Salah Abdeslam sind, das letzte Mitglied der Terrorzelle, welche die Terrorattacken auf Paris vom 13. November ausführte, das sich noch auf freiem Fuß befand.

Einige Tausend ausgebildeter Terroristen haben Europa 2015 zusammen mit mehr als einer Million Migranten erreicht – 4000 nach einem Bericht in englischen Medien oder 1500 nach einer Aussage des Befehlshabers der NATO, General Philip Breedlove, vor dem amerikanischen Kongress am 1. März. Tatsächlich haben die Sicherheitsdienste keine Möglichkeit, die bona fides von Migranten zu überprüfen. Die Kosten für einen syrischen Pass und die Passage nach Europa betragen etwa 3.000 Dollar. ISIS und andere terroristische Organisationen können so viele Terroristen, wie sie wollen, nach Europa senden, und schon eine sehr kleine Zelle kann eine Großstadt lahmlegen.

Das stellt den Westen vor eine unerfreuliche Wahl. In Amerika hat es seit dem 11. September 2001 wenige großangelegte terroristische Anschläge gegeben, weil es jährlich 80 Milliarden Dollar für seine Nachrichtendienste aufwendet, die in den Vereinigten Staaten lebende Muslime intensiv überwachen, und weil es überhaupt nur sehr wenige Einwanderer aus potentiellen Terrorländern aufnimmt. Weniger Einwanderung wird von der öffentlichen Meinung Amerikas in überwältigendem Ausmaß befürwortet. Eine Umfrage zeigt, dass die Majorität der Amerikaner mit einer Mehrheit von 46 % gegen 40 % (14 % waren unentschieden) Donald Trumps Vorschlag unterstützt, muslimische Einwanderung zeitweise auszusetzten. Die heutigen Ereignisse bedeuten eine gute Nachricht für Trumps Präsidentschaftskampagne.

Europa dagegen befürwortet weiterhin aus humanitären Gründen massenhafte Einwanderung. Trotz der Wahlgewinne der Antieinwanderungs-Partei „Alternative für Deutschland“ zu Beginn dieses Monats, votierten mehr als drei Viertel der deutschen Wähler für Kandidaten, die Angela Merkels Einwanderungspolitik unterstützen. Die deutschen Behörden wissen nicht, wer die Flüchtlinge sind, und in vielen Fällen, wo sie sind. Laut der deutschen Tageszeitung „Die Welt” haben Tausende von Migranten die Flüchtlingslager verlassen; mindestens 7.000 werden allein in den Aufnahmezentren des Landes Brandenburg vermisst. Sicher, nur sehr wenige von ihnen sind potentielle Terroristen, aber der Kollaps der Kontrollen macht es für die Sicherheitsbehörden unmöglich, potentielle Terroristen zu überwachen.

Das heißt nicht unbedingt, dass ISIS und andere Terroristen nun wöchentlich Großanschläge durchführen werden. Aber die Häufigkeit der Anschläge ist nun in das Belieben der Terroristen gestellt. Anschläge mit hohen Opferzahlen, wie im November in Paris und heute in Brüssel verschaffen ISIS Glaubwürdigkeit. Aber ISIS will keine europäische Reaktion provozieren; er will einen Stützpunkt in Europa etablieren, der so haltbar ist, dass die europäischen Sicherheitsbehörden künftig nicht in der Lage sind, ihn zu vernichten.

Europa hat die einfache Wahl, an seinen Grenzen eine humanitäre Katastrophe geschehen zu lassen, oder die Kontrolle über seine eigene Sicherheit zu verlieren. Deutschland hat bereits die zweite Alternative gewählt und die heutigen Ereignisse werden keinen Einfluss auf Berlins Haltung gegenüber Migranten haben.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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