Spengler auf Deutsch 45: Donald Trump, seien Sie der größte Verhandlungskünstler der Geschichte!

Das Original erschien unter dem Titel „Donald Trump, be the greatest dealmaker in history!“ in Asia Times.

Lieber Donald Trump:

Sie sind ein großer Verhandlungskünstler. Ihrem eigenen Urteil zufolge sind sie der größte Verhandlungskünstler des 20. Jahrhunderts und fast mit Sicherheit der größte Verhandlungskünstler des 21. Jahrhunderts, obwohl es noch nicht ganz vorbei ist. „Die Kunst zu verhandeln“[1] ist das Drehbuch ihrer Kampagne, wie CBS News am 1. April berichtet hat. Sie haben große Handelsverträge mit China versprochen, einen großen Vertrag mit Mexiko, um eine Mauer an der Grenze zu bauen, und andere große Verträge, einen mit dem Obersten Gerichtshof, einen Friedensvertrag im Nahen Osten, einen über Krankenversicherung und über alles andere, das sie irgendjemand gefragt hat.

Was würden Sie davon halten, der größte Verhandlungskünstler aller Zeiten zu sein?

Sie können am 18. Juli nach Cleveland[2] gehen und den gewaltigsten Verhandlungserfolg der menschlichen Geschichte erzielen. Schon viele Menschen sind Präsident der Vereinigten Staaten geworden, aber nur einer kann der größte Verhandlungskünstler aller Zeiten sein, und dieser Eine könnten Sie sein.

Es ist klar, dass Sie die republikanische Nominierung nicht im ersten Wahlgang erringen werden. Ihre Delegierten werden nicht verpflichtet sein, im zweiten Wahlgang für Sie zu stimmen, und viele von ihnen werden im zweiten Wahlgang für Senator Ted Cruz stimmen. Sie werden wahrscheinlich von Marco Rubios 170 Delegierten und von anderen unterstützt werden.

Hier ist eine Alternative:

Sie können der Größte aller Verhandlungskünstler werden – nicht der Gott, aber ein Gott, wie Bill Murray in “Und täglich güßt das Murmeltier” sagte – oder sie können das diametrale Gegenteil des größten Verhandlungskünstlers werden, nämlich ein elender Verlierer, oder, um präzis zu sein, der Elendeste Verlierer des bekannten Universums. Ein Verlierer zu sein, wäre tragisch für Donald Trump, aber der elendeste Verlierer aller Zeiten zu sein, das würde eine Störung im Raum-Zeit-Kontinuum verursachen. Das darf nicht geschehen.

Niemand sagt, dass Sie ein elender Verlierer sind – noch. Aber das Risiko besteht. Amtsträger der republikanischen Partei haben sich in einer Anzahl von Staaten beklagt, dass Ihre Organisation sie persönlich wegen der Delegierten-Verteilung bedroht habe. Ihr Berater Roger Stone warnte zu Beginn dieses Monats: „Wir werden die Hotels und die Zimmernummern derjenigen Delegierten (auf dem republikanischen Parteitag) enthüllen, die direkt an dem Diebstahl (d. h. die Trump nicht unterstützen) beteiligt sind. Wir werden euch sagen, wer die Schuldigen sind. Wir fordern euch auf, sie in ihrem Hotel zu besuchen und sie zu finden.“

Die Washington Post hat am 13. April berichtet:

In Colorado planen Republikaner eine Kundgebung am Freitag, um auf die Drohungen gegen der republikanischen Vorsitzenden Steve House aufmerksam zu Machen. Er sagte, sein Büro habe nach einem Landesparteitag 3.000 Anrufe erhalten, „von denen viele die vulgärsten waren, die sie sich vorstellen können“, nachdem ein Landesparteitag am letzten Wochenende alle 34 Delegierten Cruz zugesprochen hatte. „Die Leute, die denken, sie hätten irgendwie das Recht, mich und meine Familie zu bedrohen, weil ihnen der Ausgang einer Wahl nicht gefällt, sollten sich schämen“, schrieb er auf Facebook.

Das macht keinen guten Eindruck. Da strahlt das Wort „Verlierer“ im Neonlicht. Das ist es nicht, was Sie sein wollen.

Hier ist ein einfacher Weg, um als Sieger vom Platz zu gehen. Machen sie den Handel selbst. Irgendein Handel wird in Cleveland geschlossen werden. Die einzige Frage ist: Wessen? Wenn es deren Handel ist, dann sind Sie der Ferner-Liefen, der Hätte-Sein-Können, der Könnte-Wollte-Sollte. Dann sind sie der Präsidentschaftskandidat, der kurz vor der Ziellinie abschnappte. Niemand wird Sie respektieren, nie mehr. Sie können sich beklagen, soviel Sie wollen, aber Sie wissen besser als jeder andere, dass ein großer Abstand besteht zwischen dem, der 49,9 % der Aktien, und dem, der 50,1 % besitzt. Mit Minderheitsaktionären fährt jeder gern Schlitten.

Wenn Donald Trump den Handel in Cleveland aushandelt, dann wird es ein großer Handel sein, der größte Handel, der Handel, der alle Händel beendet, das Siegel auf der Karriere des größten Verhandlungskünstlers in der Geschichte, und eine Quelle immerwährenden Ruhms für den größten Verhandlungskünstler, der je eine Feder auf das Papier setzte. Mag jemand anders Präsident sein. Sie können alles andere sein. Die nächste Ausgabe von “The Art of the Deal” (Die Kunst des Verhandelns) wird für Jahre an der Spitze der Bestsellerliste stehen. Das „Trump“-Markenzeichen wird erstrahlen. Die Leute werden Handtücher mit dem Trump-Logo aus den Trump-Hotels stehlen, um sie bei E-Bay zu versteigern.

Wenn Sie den Handel jetzt vorbereiten in der Vorbereitungsphase des großen Durcheinanders in Cleveland, können sie alles, was sie nur wollen, heraushandeln – jede Position im Kabinett. Sie können der Leiter eines neuen Regierungsministeriums werden – exklusiv für sie gemacht: Das Ministerium des Aushandelns. Sie können die Grundsatzrede auf dem Parteitag halten. Sie können ihren eigenen Ball zur Amtseinführung im nächsten Januar haben. Sie können eine Reality-Show in ihrem Ministerium abhalten.

Mit Ihnen als oberstem Verhandlungskünstler wird die Republikanische Partei im November dem Sieg entgegenkreuzen, äh, entgegenmarschieren, und Ihnen wird man das Verdienst zuschreiben.

Seien Sie ein Gewinner, Donald Trump. Handeln Sie was aus!

[1] “The Art of the Deal” – von Donald Trump verfasster Bestseller.

[2] Zu diesem Zeitpunkt wird in Cleveland der Parteitag der Republikanischen Partei stattfinden, auf welcher der republikanische Präsidentschaftskandidat nominiert wird.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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